Brief aus der Hölle


Ergänzend zu einem Zeitungsinterview über den Straßennamen "Hölle" veröffentliche ich einen darin erwähnten Brief, der bei der Sanierung des Hauses Hölle 6 zwischen den Dachbodendielen aufgefunden wurde. Dankenswerter Weise haben sich die FT-Leser Bernd Niemann & Thomas Fischer bereiterklärt den Brief zu transkribieren:

Fränkischer Tag vom 07.01.2018

Neuburg den 28ten Februar 1861,

Liebe Ältern und Bruder!
Euerm so lieben Brief habe ich erhalten, und eine so große, große Freude gehabt, wie ich geleßen habe, daß ich verdauscht habe werde. Ich fragte des anderm Tags gleich dem Feldwebel gefragt, der sagte es sei noch nichts da, denn ich müßte es doch sehen, sagte er, er meinte daß gienge doch nicht eher bis ich abexezirt hab dann Könnte es gehen [?] denn wir [h]aben schon [?] Ganze [?] Muntur, und bin beliebt beim Leutnant und Hauptmann, die sagten, daß giebt einen schön[en] Pienier [Pionier], meine Korperäls haben [?] meine Handschrift gesehen die sagten ich müßte Fizir Koperal [ = Vice-Korporal ] werden, aber das macht alles nicht, ich werde schon nach Bamberg komen wenn ich abexezirt habe. Ich habe bis jetzt noch gar nichts gehört, der Vater soll lieber nochmal darum gehen, und soll fragen wie es steht.
Liebe Ältern, ich wöllte lieber, ich wäre bei euch denn es gefällt mir nicht und denke alle Tage an euch. Liebe Ältern eine Bitte hätte ich wohl an euch, ihr stellt euch gar nicht vor was man für Geld braucht, alle Woche muß ich ein Hemd, Unterhoßen, Socken und Handtuch waschen lassen, an einen Laib Brod, soll ich 2 Tag haben, und brauche jeden Tag eins, jetzt könnt ihr denken was ich [für?] Geld brauche. Liebe Älteren sei[t] so gut und schickt mir etwas Geld, sonst muß ich [...]ern, Wenn ich einmal nach Hauße kome, werde ich es schon wieder einbringen und recht brav sein, schreibt mir aber recht bald den ich habe keinen Kreuzer mer [?], und wenn ihr mir schreibt, so schreibt mir [...]t meine Tauben steht ob die noch Leben. So ist es doch [Wahrha]ftigkeit [?] mit der Ließ ihrm Schorsch daß der in Würzburg verpflichtet worden ist. Der Seufert war von jeher uns nicht [gut?] und ist es heute noch, ewig wird er auch [?] euch [?] haben [?].
Schon seit meiner ersten Kindesjahren war m[ir] der heutige Tag ein Freudenta[g]. Und [mu]ß mir dieser Tag nicht ein besanderer festlicher Tag sein? Gab er nicht meiner guten frommen, für mein Wohl so seh[r] besorgte Mutter das Leben, und schuf nicht [?] ihr [?] dasein [?] das meinige, mein Glück und meine Bildung ? Ob ich gleich alle Tage in der Stille mit dankbarem Herzen für die Erhaltung Ihres mir so theuren Lebens zu Gott bete, so erlauben Sie mir doch gute Mutter, daß ich Ihnen heute die Gefühle kindlicher Liebe lauter [?] an [?] dem Tag [...] [...] Oft schon war ich betrübt, wenn mir der Gedanke [?] einfiel, daß ich Ihhnen nur immer mit Worten [u]nd ni[cht] so thätig danken kann als ich wünsche. Ich [?] wünsche [?] Ihnen Liebe Mutter Glück, Gesundhei[t] u[nd] [ein] [l]anges Leben und was immer ein dankbarer [Sohn?] wünschen kann, und was Sie sich selbst wünscht. Ich [?] [h]abe selbst nichts. sonst schicke ich schon ein [...]ind, nehme Sie dieß Neuburg zum […] Gedenken Lieber Mutter, wenn ich zu Hauß wä[re], [w]äre es freilich anders. Lieber Vater sei er so g[ut] und trage [?] er den [?] Brief zum Bischofs Fritz, welchen ich beigelegt habe in euren [Bri]ef sonst brauchte ich gleich ein Sechser mehr. Ich will mein Schreiben schließen [?] ich grüße euch alle 3 Vater Mutter und [Bruder?] [...] verbleibe

Euer gehorsamer Sohn
Konrad
Auch an Herrn Präßes
einen Gruß
Seit so gut und schickt mir was sobald
[...]
Viele Grüße an die Frau Path.
und an alle Freunde und Bekante.


Brief aus der Hölle


Ergänzend zu einem Zeitungsinterview über den Straßennamen "Hölle" veröffentliche ich einen darin erwähnten Brief, der bei der Sanierung des Hauses Hölle 6 zwischen den Dachbodendielen aufgefunden wurde. Dankenswerter Weise haben sich die FT-Leser Bernd Niemann & Thomas Fischer bereiterklärt den Brief zu transkribieren:

Fränkischer Tag vom 07.01.2018

Neuburg den 28ten Februar 1861,

Liebe Ältern und Bruder!
Euerm so lieben Brief habe ich erhalten, und eine so große, große Freude gehabt, wie ich geleßen habe, daß ich verdauscht habe werde. Ich fragte des anderm Tags gleich dem Feldwebel gefragt, der sagte es sei noch nichts da, denn ich müßte es doch sehen, sagte er, er meinte daß gienge doch nicht eher bis ich abexezirt hab dann Könnte es gehen [?] denn wir [h]aben schon [?] Ganze [?] Muntur, und bin beliebt beim Leutnant und Hauptmann, die sagten, daß giebt einen schön[en] Pienier [Pionier], meine Korperäls haben [?] meine Handschrift gesehen die sagten ich müßte Fizir Koperal [ = Vice-Korporal ] werden, aber das macht alles nicht, ich werde schon nach Bamberg komen wenn ich abexezirt habe. Ich habe bis jetzt noch gar nichts gehört, der Vater soll lieber nochmal darum gehen, und soll fragen wie es steht.
Liebe Ältern, ich wöllte lieber, ich wäre bei euch denn es gefällt mir nicht und denke alle Tage an euch. Liebe Ältern eine Bitte hätte ich wohl an euch, ihr stellt euch gar nicht vor was man für Geld braucht, alle Woche muß ich ein Hemd, Unterhoßen, Socken und Handtuch waschen lassen, an einen Laib Brod, soll ich 2 Tag haben, und brauche jeden Tag eins, jetzt könnt ihr denken was ich [für?] Geld brauche. Liebe Älteren sei[t] so gut und schickt mir etwas Geld, sonst muß ich [...]ern, Wenn ich einmal nach Hauße kome, werde ich es schon wieder einbringen und recht brav sein, schreibt mir aber recht bald den ich habe keinen Kreuzer mer [?], und wenn ihr mir schreibt, so schreibt mir [...]t meine Tauben steht ob die noch Leben. So ist es doch [Wahrha]ftigkeit [?] mit der Ließ ihrm Schorsch daß der in Würzburg verpflichtet worden ist. Der Seufert war von jeher uns nicht [gut?] und ist es heute noch, ewig wird er auch [?] euch [?] haben [?].
Schon seit meiner ersten Kindesjahren war m[ir] der heutige Tag ein Freudenta[g]. Und [mu]ß mir dieser Tag nicht ein besanderer festlicher Tag sein? Gab er nicht meiner guten frommen, für mein Wohl so seh[r] besorgte Mutter das Leben, und schuf nicht [?] ihr [?] dasein [?] das meinige, mein Glück und meine Bildung ? Ob ich gleich alle Tage in der Stille mit dankbarem Herzen für die Erhaltung Ihres mir so theuren Lebens zu Gott bete, so erlauben Sie mir doch gute Mutter, daß ich Ihnen heute die Gefühle kindlicher Liebe lauter [?] an [?] dem Tag [...] [...] Oft schon war ich betrübt, wenn mir der Gedanke [?] einfiel, daß ich Ihhnen nur immer mit Worten [u]nd ni[cht] so thätig danken kann als ich wünsche. Ich [?] wünsche [?] Ihnen Liebe Mutter Glück, Gesundhei[t] u[nd] [ein] [l]anges Leben und was immer ein dankbarer [Sohn?] wünschen kann, und was Sie sich selbst wünscht. Ich [?] [h]abe selbst nichts. sonst schicke ich schon ein [...]ind, nehme Sie dieß Neuburg zum […] Gedenken Lieber Mutter, wenn ich zu Hauß wä[re], [w]äre es freilich anders. Lieber Vater sei er so g[ut] und trage [?] er den [?] Brief zum Bischofs Fritz, welchen ich beigelegt habe in euren [Bri]ef sonst brauchte ich gleich ein Sechser mehr. Ich will mein Schreiben schließen [?] ich grüße euch alle 3 Vater Mutter und [Bruder?] [...] verbleibe

Euer gehorsamer Sohn
Konrad
Auch an Herrn Präßes
einen Gruß
Seit so gut und schickt mir was sobald
[...]
Viele Grüße an die Frau Path.
und an alle Freunde und Bekante.